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Funktionsweisen des literarischen Feldes am Beispiel der deutschen Rezeption von Jaan Kross



Der Artikel beruht auf den entsprechenden Kapiteln der Monographie des Autors (2011) über die Rezeption der estnischen Literatur im deutschsprachigen Raum, ist aber stellenweise gekürzt, bearbeitet und weiterentwickelt. Da von Jaan Kross vergleichsweise viele Bücher auf Deutsch vorliegen, bietet sich sein Werk für eine eingehendere Rezeptionsanalyse an. Im Vordergrund stand dabei die Frage, warum die zwischenzeitlich sehr lebhafte Rezeption zu Beginn des 21. Jahrhunderts erlahmt ist. Hierzu wird die Theorie des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu angewendet, anhand deren untersucht wird, welche Rolle die jeweiligen Akteure auf dem Rezeptionsfeld gespielt haben. In erster Linie werden Verlage und Kritiker in Abhängigkeit von ihrer Position auf dem literarischen Feld betrachtet, ferner inhaltliche Aussagen der Kritik und begrenzt auch quantitative Angaben. Im Ergebnis scheint es vier Faktoren zu geben, die in ihrer Addition eine spezifische Situation für die deutsche Rezeption von Jaan Kross geschaffen haben, die auf andere Länder nicht zutrifft und die sich nachteilig auf die Aufnahme der Werke des Autors ausgewirkt hat: Das Nicht-Bekommen des Nobelpreises (trifft freilich für alle Länder zu), zurückhaltende Aufnahme eines Romans in tonangebenden Medien, infolgedessen Verzögerung der Herausgabe der weiteren Werke, und schließlich die Aufspaltung zwischen verschiedenen Verlagen.