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Books in the 18th-century inventories of Tallinn: The journey of fiction to literates’ collections

Bücher in den Nachlassverzeichnissen Tallinns im 18. Jahrhundert. Der Weg der schöngeistigen Literatur in die Büchersammlungen der Literaten

Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit den Anfängen der Rezeption schöngeistiger Literatur in Tallinn. Als Grundlage der vorliegenden Analyse dienen in Tallinner Nachlassverzeichnissen dokumentierte Bücherlisten, von denen sich die meisten im Magistratsbestand des Tallinner Stadtarchivs (Bestand 230) befinden. Die Analyse konzentriert sich auf die Auswertung der Bücherlisten der Literaten des 18. Jahrhunderts. Nach einer quellenkritischen Einleitung werden die Büchersammlungen dargestellt. In Bezug auf deren Größe wird festgestellt, dass die Büchersammlungen der Literaten Tallinns durchaus mit entsprechenden Sammlungen von Literaten etwa in Deutschland vergleichbar sind. Die Bücherverzeichnisse geben auch Hinweise auf die Mehrsprachigkeit in der Region. Neben Werken auf Deutsch und Lateinisch, die den Großteil ausmachen, gibt es Bibliotheken, in denen französische Titel überwiegen. Der Anteil anderer Sprachen (etwa des Estnischen, Schwedischen oder Russischen) ist dagegen gering. In den meisten Listen dominiert Sachliteratur. Neben berufsrelevanten Texten, z.B. Werken über die Chirurgie in der Bibliothek eines Arztes oder Lehrbüchern zu Geografie und Mathematik bei einem Lehrer, findet sich eine umfangreiche Sammlung an religiösen Texte (Bibeln, Exegesen, Gesangsbücher) sowie an Erbauungsliteratur. Insgesamt werden Werke von etwa 2000 Autoren genannt. Die Autoren mit dem häufigsten Vorkommen sind dabei einerseits das größte stilistische Vorbild aus der Antike, Cicero, und andererseits der Naturrechtsphilosoph und Historiker Samuel Freiherr von Pufendorff. Zudem ist die Menge der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Texte beträchtlich. Bei der Betrachtung der Bücherlisten aus literaturwissenschaftlicher Sicht fällt schließlich auf, dass der Anteil der Werke schöngeistigen Inhalts gering ist, vor allem, was die damalige Gegenwartsliteratur betrifft.